Reinheitsgebot: Initiative von Daniel Elich

Das „Deutsche Reinheitsgebot“ galt lange als unangreifbar. Wenigstens bis zum 23. April 2016, als sein 500. Geburtstag gefeiert wurde. „Danach“, so hieß es, „wird man endlich jenes legistische Durcheinander reformieren, welches die Bierherstellung in Deutschland regelt“.

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Ein „Reinheitsgebot“, das auch von Gesetzes wegen diesen Namen trägt, gibt es nämlich gar nicht. Zudem haben die heute gültigen Leitlinien nur wenig mit dem zu tun, was 1516 erlassen wurde und was manche, ziemlich vollmundig, das „älteste noch gültige Lebensmittelgesetz“ nennen.

Das gegenwärtige Chaos bietet keinen würdigen Rahmen für hochtalentierte Brauer*innen

Nur mit einer klaren Regelung wird „deutsches Bier“ auch in Zukunft mehr sein, als ein romantisch-nostalgischer Begriff. Großartige Brauereien und hochtalentierte Braumeister*innen liefern täglich Beweise für ihre Innovationskraft und Kreativität. Sie verdienten eine anständige Behandlung, auch durch den Gesetzgeber; die gegenwärtige Gesetzgebung bietet ihnen keinen würdigen Rahmen.

Zweierlei muss geschaffen werden. Zunächst einmal, endlich – ein Reinheitsgebot. Eines, das auch so heißt und das die deutsche Bier-Klassik regelt. Eines, das marketingtechnisch optimal ausgenützt werden kann und dazu geeignet ist, dem deutschen Bier auf der ganzen Welt neuen Respekt zu verschaffen.

Ein (neues) Reinheitsgebot muss einfach und klar regeln, woraus ein Bier gemacht werden darf. Begrenzt man die Liste der Zutaten auf Hopfen, Wasser, Hefe und Malz, dann muss auch ein untergäriges Kellerbier mit einem Weizenmalz-Anteil möglich sein; dann kann auch ein Weißbier nach dem (neuen) Reinheitsgebot gebraut werden.

Die Alternative dazu wäre ein (neues) Reinheitsgebot, das sich mehr am Urtext orientiert. Die Grundstoffe der Bierherstellung wären dann „Hopfen, Wasser, Hefe und – Gerstenmalz“. Wobei letzteres schon eine Adaption darstellt. Denn nach dem Urtext wäre die Verwendung von Gerste – als Rohfrucht – kein Verstoß gegen die Verordnung. Dort steht nämlich nicht „Malz“, sondern „Gerste(n)“. Der Urtext regelt auch nicht, welche (vermälzten) Getreidesorten unter- bzw. obergärig eingebraut werden dürfen. Kein Wunder. 1516 gab es noch kein Mikroskop; die Hefe war ein, im Vergleich zu heute, weitgehend unerforschtes „Zeug“.

Ein neues Reinheitsgebot könnte noch strenger sein

Ein (neues) Reinheitsgebot muss ein Gütesiegel sein. Es könnte die Herstellung klassischer Sorten noch strenger regeln, als heute. Denn es obläge den Brauern, sich ihm, Sorte für Sorte, zu unterwerfen. Es gäbe also offiziell und das wäre neu: Bier nach dem deutschen Reinheitsgebot – und (anderes) Bier.

Weitere Rohstoffe streng und genau regeln

Schon seit langem werden in Deutschland Biere gebraut, zu deren Herstellungen „weitere“ Rohstoffe herangezogen werden. Dafür können Hersteller sich schon heute, so sie nicht gerade in Bayern brauen, eine Ausnahmegenehmigung holen. Mit einer solchen kann man „weitere“ Zutaten einsetzen. Zum Beispiel Rohfrucht, etwa ein Anteil gerösteter Gerste an der Schüttung für die Herstellung eines Stouts nach altem „Original“-Rezept. Oder aber Früchte oder Gewürze, respektive alternative, höchstwertige Zuckerlieferanten, wie etwa Honig.

Österreich hat mit der Novellierung des „Codex“ 2016 ein gutes Beispiel für die Regelung von „Kreativbier“ geliefert. Das muss auch allgemein geregelt werden. Und zwar so, dass durch den Einsatz „weiterer“ Zutaten zumindest gleich gute oder sogar spannendere Biere gebraut werden können. Der Einsatz von minderwertigeren Rohstoffen, mit dem einzigen Zweck, Geld zu sparen, kann nicht Ziel einer solchen Initiative sein.

Vom Reinheitsgebot und vom Bier leben nicht nur die Brauer

Daniel Elich ist im Hamburger Braugasthaus Altes Mädchen gesamtverantwortlich für das Thema Bier. Er hat im Januar 2018 eine deutschlandweite Initiative ins Leben gerufen, die er „Beer Needs You“ nennt. Dafür hat er verschiedene Kreise angesprochen, die professionell mit Bier umgehen. Denn nicht nur die Brauer leben vom Bier, auch Händler, Gastronomen, Fach-Autoren, …

Ein Ziel Elichs besteht darin, einen verbindlichen und zukunftsträchtigen Rahmen zu finden, für die wunderbaren und hochwertigen Kreativbiere, wie sie seit einiger Zeit auch in Deutschland vermehrt gebraut werden. Wer ihn kennt, weiß genau, dass es ihm um die Sicherung und Verbesserung von Qualität geht. Vielleicht trägt seine Initiative ja dazu bei, dass der konstante Abwärtstrend beim dem Bierkonsum in Deutschland endlich gestoppt werden kann? Man sollte ihn mit aller Kraft unterstützen.

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Dieser Text ist in der jüngsten Ausgabe von „Bier, Bars & Brauer“ erschienen. Das Bild zeigt die diesbezügliche Doppelseite.

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